Welche Impfung und warum?

Es gibt gewisse Impfungen, die für Katzen dringend empfohlen sind, damit sie gesund bleiben. Der Aufwand ist relativ gering und der Gewinn enorm: man erspart ihnen damit schwerwiegende Erkrankungen, die dauerhafte Nachwirkungen haben können und manchmal sogar tödlich sind!

Ihr Tierarzt / Ihre Tierärztin wird mit Ihnen die Lebensumstände Ihrer Katze besprechen. Freigänger brauchen z.B. einen anderen Impfschutz als Wohnungskatzen. Auch kommt es darauf an, ob Ihre Katze Kontakt zu anderen Tieren hat, ob Sie regelmäßig in einer Tierpension untergebracht wird oder ob sie etwa Auslandsreisen unternimmt. Wenn klar ist, gegen welche potenziellen Infektionsrisikos Ihre Katze geschützt werden soll, wird Ihr Tierarzt / Ihre Tierärztin einen individuellen Impfplan erstellen, der auch festlegt, wie häufig und in welchen Abständen welcher Impfstoff zu verabreichen ist. Es ist sehr wichtig, sich an diese Angaben zu halten. Wird ein Termin vergessen, riskiert man einen herabgesetzten Infektionsschutz und im schlimmsten Fall muss die Grundimmunisierung wiederholt werden.

Als Richtwert gilt, dass Kitten ihre erste Impfung in der Regel mit 8 Wochen erhalten, dann mit 12 und 16 Wochen. Die 1. Nachimpfung erfolgt nach 1 Jahr. Die Intervalle für Wiederholungsimpfungen sind vom Impfstoff abhängig, wobei allgemein gesagt werden kann, dass man mittlerweile von der standardisierten Jahresspritze abgekommen ist, also nicht mehr jährlich gegen alles impft. Es soll keine Impfung unnötigerweise oder in zu häufigen Abständen gegeben werden. Einige Herstellerangaben wurden inzwischen überarbeitet, weil Untersuchungen ergaben, dass die Wiederholungsimpfung bei gewissen Präparaten erst nach 2 oder 3 Jahren notwendig ist. Ihr Tierarzt / Ihre Tierärztin wird Sie gerne beraten.

Zum Zeitpunkt der Impfung muss die Katze gesund, fieberfrei und parasitenbefreit sein, denn bei einem geschwächten Organismus würde eine Impfung keine oder keine ausreichende Immunität bei der Katze bewirken.


Hier sehen Sie einen kleinen Überblick über die wichtigsten Impfungen:


Panleukopenie (Katzenseuche):

Die feline Panleukopenie wird von einem äußerst widerstandsfähigen Parvovirus verursacht und stellt eine permanente Gefahr für nicht geimpfte Katzen dar, weil das Virus bis zu einem Jahr in der Umwelt überleben kann. Das Virus ist hoch ansteckend und wird mit dem Kot und den Körperflüssigkeiten ausgeschieden. Die Übertragung der Infektion kann durch direkten Kontakt mit dem Kot infizierter Katzen (und sogar jener, die die Krankheit bereits überstanden haben!) oder indirekt über kontaminierte Objekte erfolgen. Die Katzen infizieren sich über die orale Aufnahme des Virus.

Bei jungen Katzen führt der Ausbruch der Krankheit meist schnell zum Tod, wobei es auch ältere Katzen betreffen kann. Typische Krankheitssymptome sind Appetitlosigkeit, Fieber, Erbrechen und blutiger Durchfall. Infizierte Tiere müssen sofort von anderen Katzen getrennt und isoliert werden. Zudem müssen unverzüglich strengste Hygienemaßnahmen eingeleitet werden.

Einen wirksamer Schutz bietet die Impfung, die schon im Alter von 8 Wochen verabreicht werden sollte.


Rhinotracheitis, Herpes- und Calici-Virusinfektion (»Katzenschnupfenkomplex«):

Mit Katzenschnupfen werden infektiöse Erkrankungen der Atemwege und Schleimhäute im Bereich des Kopfes der Katze bezeichnet. Von einer milden Erkältung bis hin zu einer tödlichen Lungenentzündung sind verschiedene Abstufungen möglich. Die Auslöser sind vielfältig, meist liegt eine Mischinfektion aus Viren und Bakterien vor. Besonders betroffen sind Kitten, die nicht geimpft wurden, sowie Katzen mit geschwächtem Immunsystem.

Katzenschnupfen ist für Katzen hochansteckend. Die Erreger werden dabei mittels Tröpfcheninfektion durch die Luft übertragen. Mögliche Symptome sind Ausfluss aus Nase und Augen, Husten und rasselndes Atemgeräusch. Oft kommt noch Appetitlosigkeit hinzu, weil die Katze mit ihrer verstopften Nase nicht mehr riechen kann und daher nicht fressen will, was besonders bei ohnehin schon mageren Tieren rasch zu gefährlicher Gewichtsreduktion führen kann und darüber hinaus besteht die Gefahr der Dehydration, weil Katzen einen Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrung decken.

Um das Risiko einer schweren Erkrankung mit Katzenschnupfen zu reduzieren, ist eine Impfung dringend zu empfehlen.


Feline Infektiöse Peritonitis (FIP, übertragbare Bauchfellentzündung):

Die feline infektiöse Peritonitis (FIP) ist eine Infektionskrankheit, die durch feline Coronaviren verursacht wird und ausschließlich Katzen betrifft. Erst wenn es zu einer Mutation dieser Viren kommt, bricht die Krankheit aus. Ist eine Katze also Träger von Coronaviren, heißt dies nicht, dass sie auch an FIP erkranken muss, wohl aber, dass sie die Coronaviren mit dem Kot ausscheiden und sie von anderen Katzen über den Nasen-Rachen-Raum aufgenommen werden und somit übertragen werden können. Oft findet diese Übertragung von der Mutter auf ihre Kitten statt. Die Übertragung der bereits mutierten Form spielt vermutlich keine Rolle bei der Verbreitung der Krankheit.

Die Symptome sind vielfältig, zumal es die feuchte und die trockene Form der FIP gibt. Sie reichen beispielsweise vom geschwächten Allgemeinbefinden, Fieberschüben und Müdigkeit, vergrößertem Bauchumfang mit gleichzeitiger Gewichtsabnahme und Atembeschwerden über Lähmungserscheinungen bis hin zur Gelbsucht.

Leider gilt die FIP noch immer als unheilbar, weshalb die Impfung bei entsprechendem Risiko empfohlen wird.


Tollwut (Rabies):

Tollwut verläuft nach ihrem Ausbruch bei Mensch und Tier immer tödlich. Besteht der Verdacht auf Tollwut bei Katzen, muss sofort der zuständige Amtstierarzt benachrichtigt werden, da das Virus auch auf den Menschen übertragbar ist.

Ursache der Tollwut bei Katzen ist ein Virus, das hauptsächlich durch Bisse infizierter Wildtiere (hauptsächlich Füchse, aber auch Dachse, Fledermäuse oder Marder) auf freilaufende oder streunende Katzen übertragen wird. Die Tollwut-Viren wandern von der Infektionsstelle entlang der Nerven zum Rückenmark und Gehirn der Katze, wo sie ihre Nervenzellen schädigen. Von dort erreichen sie schließlich die Speicheldrüsen, welche große Virusmengen enthalten. Daher wird die Tollwut bei Katzen hauptsächlich über den Speichel übertragen.

Österreich wurde 2008 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für tollwutfrei erklärt. Sollten Sie allerdings mit Ihrer Katze über die Grenze fahren, benötigen Sie einen EU-Heimtierausweis mit einem gültigen Tollwutimpfnachweis.


Felines Leukämievirus-Infektion (FeLV, Leukose):

Bei der Erkrankung an Leukose oder Leukämie (von altgriechisch λευκός leukós „weiß“ sowie αἷμα haima „Blut“; wörtlich also Weißblütigkeit) kommt es zu einer stark vermehrten Bildung von funktionsuntüchtigen Vorläuferzellen der weißen Blutzellen, die sich im Knochenmark ausbreiten und dort die roten Blutkörperchen verdrängen, also zu einer verminderten Produktion derselben führen.

Die Übertragung des Virus erfolgt entweder über direkten Kontakt zu kontaminiertem Speichel, Nasensekret, Kot, Urin,… oder indirekt über Kontakt mit kontaminierten Objekten, weshalb die Ansteckungsgefahr unter Freigängern, in Mehrkatzenhaushalten und in Tierheimen besonders hoch ist.

Nicht jede Infektion mit dem felinen Leukämievirus führt zum Ausbruch einer Leukose, aber wenn sie ausbricht, endet sie fast immer tödlich. 

Dagegen hilft die Impfung. Zuvor sollte aber mit einem Bluttest überprüft werden, ob die Katze das Virus nicht schon bereits in sich trägt, denn in diesem Fall wäre eine Impfung sogar kontraproduktiv, weil dadurch die Gefahr eines plötzlichen Krankheitsausbruches deutlich erhöht wäre. Fällt der Test negativ aus, wird die Katze – idealerweise im Kittenalter - im Abstand von 3-4 Wochen zweimal geimpft und danach die 1. Wiederholungsimpfung nach 1 Jahr.


Chlamydia felis-Infektion (Chlamydiose):

Typisch für eine Chlamydia felis-Infektion ist eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis), die ein- oder zweiseitig sein kann. Die Symptome sind wässriger Augenausfluss, der später auch eitrig werden kann. Darüber hinaus kommt es zu Krämpfen des oder der Augenlider. Die Bindehäute sind auf Grund der Entzündung gerötet und geschwollen. In Kombination mit anderen Erregern rufen Chlamydien zusätzlich den Katzenschnupfen-Komplex hervor, der zusätzliche Symptome wie Husten, Fieber und Niesen verursacht. 

Häufig bricht Chlamydiose in Mehrkatzenhaushalten aus, wobei Kitten besonders anfällig sind. Eine Infektion findet entweder über direkten Kontakt zu kontaminiertem Augenausfluss oder indirekten Kontakt etwa über eine Tröpfcheninfektion statt. Eine Impfung gegen Chlamydophila felis wird bei entsprechendem Risiko empfohlen und sollte ab der 8. Lebenswoche erfolgen. Auch besteht sonst die Gefahr, dass sich die Erreger von infizierten Tieren auf den Menschen übertragen.


Quelle: Leitlinien_zur_Impfung_von_Kleintieren_2017