Zahngesundheit

Die Funktion des Katzengebisses

Das Gebiss der Katze gleicht einer Zange und ist ein vielfältiges Werkzeug, das nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern vielmehr dem Fangen, Festhalten, Töten, Zerreißen und Zerkleinern der Beute dient und natürlich zur Verteidigung eingesetzt wird. Für unsere Hauskatzen, die mit dem weichen Fertigfeuchtfutter ernährt werden, ist das Gebiss wohl nicht überlebensnotwendig, anders als für wildlebende Katzen.

Selbst das Trockenfutter entbehrt einen intakten Kauapparat, weil es meist einfach hinuntergeschluckt wird, nachdem die Katze vielleicht einmal hineingebissen hat.

Wenn das Gebiss der Katze schon nicht oder nicht ausschließlich dem Zerkleinern der Nahrung dient, so haben die einzelnen Zahngruppen doch wichtige Aufgaben:

Die kleinen, scharfen Incisivi („Schneidezähne“) sind, wie die deutsche Übersetzung schon verrät, zum Abschneiden von Nahrung da, wie etwa Sehnen des Beutetieres. Außerdem nehmen Katzen mit ihren Incisivi kleine Nahrungsbrocken hoch, können damit Knochen abnagen und die Federn eines erbeuteten Vogels ausreißen. Darüber hinaus spielen die Incisivi eine wichtige Rolle bei der Körperpflege, um Verfilzungen und Ungeziefer aus dem Fell herauszureißen und zur Krallenpflege der Hinterpfoten, die im Gegensatz zu den Vorderpfoten nicht an (Kratz)Bäumen geschärft werden können.

Die Canini („Eckzähne“) sind die längsten Zähne mit der kräftigsten Wurzel, denn mit Ihnen wird der Nackenbiss ausgeführt, bei dem das andere Tier beim Genick und beim Hals, nicht aber an der Kehle, gepackt wird. Der Nackenbiss ist Transportbiss, Paarungsbiss, Kampfbiss und Tötungsbiss zugleich. 

Transportbiss: Mit dem Nackenbiss tragen Mutterkatzen ihre Kitten. Der Biss löst bei den Kitten den Reflex aus, ihre Muskulatur vollständig zu entspannen. Dieser Reflex bleibt ein Katzenleben lang erhalten.

Paarungsbiss: Während des Deckaktes hält der Kater die Kätzin mit dem Nackenbiss fest, damit sie stillhält und ihn nicht mit ihren Pfoten vertreiben kann. 

Kampfbiss: Der Nackenbiss ist ein wirksames Verteidigungsmittel, etwa bei Revierkämpfen.

Todesbiss: Katzen brechen ihrem Beutetier mit einem kräftigen, gezielten Nackenbiss das Genick, wodurch das Beutetier nicht lange leiden muss und sofort stirbt. Dabei hacken sie ihre Canini unmittelbar nach dem Schädelknochen zwischen zwei Halswirbel ihrer Beute ein.

Die Prämolaren und Molaren („Mahlzähne“) dienen der Übersetzung nach dem Kauen der Nahrung, wobei diese Zähne bei Katzen sehr spitz sind, sodass sie auch oder primär dem Schneiden und Zerstückeln der Beute dienen.

Gesunderhaltung des Gebisses

Katzen, die sich traditionell von Mäusen ernähren, also die Beute mit all dem Muskelfleisch, Sehnen und Knorpel erst zerlegen müssen, bekommen weit seltener Zahnstein als Wohnungskatzen, die sich von Fertigfutter ernähren. Der Mythos, dass Trockenfutter beim Kauen Zahnstein verhindert oder gar abreiben soll, ist inzwischen widerlegt. Dazu müssten die Katzen die Futterstückchen gründlich kauen, was sie nicht tun. Außerdem bleiben Teile des Speisebreis an den Zähnen haften, dadurch wird das Maulraum-Milieu verändert und die Bildung von Zahnbelag sogar begünstigt. 

Die Mundhygiene ist ein wirksames Mittel zur Gesunderhaltung der Zähne. Nur wenn man die Katze schon im frühen Kittenalter an das konsequente, regelmäßige Zähneputzen gewöhnt, wird es auch funktionieren. Der Markt bietet eine Vielfalt von Produkten an: geeignete Zahnbürsten sowie Zahnpasta mit Hühnchengeschmack, verschiedene Dentalfuttermittel, die zum Kauen motivieren sollen, enzymhaltige Kausticks, die den Plaquefilm zerstören sollen,… Um die Kirche im Dorf zu lassen empfehle ich Schlämmkreide, ein altbewährtes, natürliches Hausmittel, um die Zähne zu reinigen. Wichtig: Mit Zähneputzen kann die Bildung von Zahnstein weitgehend verhindert, nicht aber bereits bestehender Zahnstein entfernt werden!

Zusätzlich zu dem jährlichen Gesundheitscheck beim Tierarzt / bei der Tierärztin ist zu empfehlen, dass Katzenbesitzer ab und zu selbst ins Maul ihrer Katze schauen, denn eine beginnende Zahnsteinbildung oder eine Zahnfleischentzündung ist auch für den Laien leicht erkennbar und kann dann eventuell schon behandelt werden, noch bevor Schmerzen auftreten.


Wie läuft eine Maulhöhlensanierung beim Tierarzt / bei der Tierärztin ab?

Hat der Tierarzt / die Tierärztin die Diagnose gestellt oder Ihre Vermutung bestätigt, dass eine Zahnbehandlung Ihres Haustieres notwendig ist, wird ein Termin für diesen Eingriff vereinbart. Lege artis kann dies nämlich bei Tieren ausschließlich in Vollnarkose durchgeführt werden, wofür das Tier nüchtern sein sollte, und der Eingriff kann mehrere Stunden dauern. Trotz sorgfältiger Erhebung der Anamnese und Anfertigung von Röntgenbildern kann im Vorfeld selten ganz genau gesagt werden, was im Zuge der Behandlung gemacht werden muss und ob und wieviele Zähne extrahiert werden müssen. 

Es wird jedenfalls eine professionelle Mundhygiene durchgeführt. Im Rahmen dieser Behandlung werden die Zähne gereinigt und der Zahnstein entfernt. Erst wenn der Zahnstein entfernt ist, kann endgültig entschieden werden, welche Zähne erhalten bleiben können. Manchmal stellt sich heraus, dass die Zähne locker sind und nur noch durch den Zahnstein zusammengehalten wurden. Diese Zähne müssen jedenfalls entfernt werden, da diese nicht wieder anwachsen werden, aber möglicherweise Schmerzen verursachen können. Es kann aber auch vorkommen, dass es zuvor so aussieht, als müsse man alle Zähne extrahieren und bei der Zahnsteinentfernung kommen gesunde, kräftige Zähne zum Vorschein, die nur jahrelang unter einer dicken, braunen Zahnsteinschicht verborgen waren.

Zähne, die noch fest im Knochen verankert sind und noch kräftige Wurzeln haben, aber unwiderbringliche Schäden aufweisen, müssen unter Umständen operativ entfernt werden und oft muss die Wunde auch genäht werden. Hierfür werden aber selbstauflösende Nähte verwendet, damit keine Nahtentfernung notwendig wird. 

Persistierende Milchzähne müssen auch entfernt werden. Darunter versteht man Milchzähne, die entgegen der Natur nicht vom durchbrechenden bleibenden Zahn verdrängt werden, weil der Zahnkeim des bleibenden Zahnes nicht genau unter dem Milchzahn sondern daneben, sodass der bleibende Zahn neben dem Milchzahn durchbricht. Solche Doppelzähne kommen meist bei den Canini vor. Da der verbleibende Milchzahn nicht von selber ausfällt, für beide aber nicht genug Platz ist, muss der Milchzahn unter Vollnarkose entfernt werden. Angemerkt sei, dass anscheinend die Natur um Fairness bemüht ist. So gibt es im Gegensatz zu den Doppelzähnen auch Nichtanlagen, was bedeutet, dass einzelne bleibende Zähne gar nicht angelegt sind. Dies führt zu einem unvollständigen bleibenden Gebiss. 

Das oberste Gebot muss immer das Wohl des Tieres sein! Nur jene Zähne, bei denen es medizinisch indiziert ist, werden entfernt, denn jede Extraktion bedeutet eine Wunde, die verheilen muss. Es darf so wenig wie möglich, aber es muss so viel wie nötig gemacht werden, denn es ist zu bedenken, dass eine Zahnbehandlung bei Tieren nur in Vollnarkose durchgeführt werden kann und man diese daher nicht laufend wiederholen sollte. Von einem rein kosmetischen Eingriff ist abzuraten. Es sollte nicht ohne Vorliegen einer medizinischen Notwendigkeit, nur anlassbezogen und nicht aus rein kosmetischen Gründen geschehen, da jede Vollnarkose eine Belastung für den Körper darstellt und auch bei größter Sorgfalt ein Narkoserisiko besteht.


Zahnerkrankungen

Der Instinkt lässt es kaum zu, dass sich Katzen Schmerzen anmerken lassen. In der Wildnis würde es Katzen zum Verhängnis werden, wenn sie Schwäche zeigen, da Raubtiere dann leichtes Spiel hätten. Sieht man der Katze also eine Krankheit an, ist der Schmerz oft schon unerträglich. Trotzdem schreien oder jammern Katzen so gut wie nie, vor allem, wenn sie chronisch leiden. Dass eine Katze mit Zahnschmerzen schlechter frisst, ist jedenfalls nicht der Fall, weil sie schnell merkt, dass es ihr durch Verweigerung der Mahlzeit nicht besser geht. Schmerzäußerungen bei der Futteraufnahme werden nur selten und nur in weit fortgeschrittenen Stadien beobachtet. Umso wichtiger ist die regelmäßige Zahnkontrolle. 


Hier sehen Sie die wichtigsten Zahnerkrankungen im Überblick, die einzeln oder in Kombination auftreten können:


Zahnbruch

Bricht bei einer Katze ein Zahn so ab, dass die Zahnhöhle (Pulpa) eröffnet wird, muss schnell gehandelt werden, weil die Pulpa bis tief in den Kieferknochen reicht und auf diesem Weg Bakterien eindringen können. Abgesehen von den Schmerzen kann es zu einer Infektion kommen, die sich auch auf die benachbarten Zähne ausbreiten kann. Es muss entweder eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden oder der betroffene Zahn extrahiert werden.


Zahnstein

Bei Zahnstein handelt es sich Zahnbelag (Plaque), der durch die Einlagerung von Mineralien hart geworden ist. Er hat meist eine gelbliche bis bräunliche Farbe. Er ist Nährboden für viele Bakterien und begünstigt Zahnfleischentzündungen, die sich zu Parodontitis ausweiten können und zu Zahnverlust führen können.

Die Entstehung von Zahnstein lässt sich weitgehend verhindern, indem Plaque regelmäßig von den Zähnen entfernt wird, sei es durch Zähneputzen oder durch spezielle Fütterung der Katze. Viele Tiere haben allerdings die Veranlagung zur Zahnsteinbildung.


Gingivitis

Die Gingivitis ist eine Zahnfleischentzündung, die durch gerötetes Zahnfleisch meist direkt am Rand der Zähne in Erscheinung tritt. In fortgeschrittenem Stadium kann es auch bluten und schmerzen. Die Gingivitis tritt häufig in Kombination mit Plaque, Zahnstein, Parodontitis, FORL, Niereninsuffizienz oder Infektionserkrankungen auf.
Die Ursachen können eine bakterielle Infektion, die meist durch Zahnstein oder Plaque entsteht, eine Zahn(wurzel)erkrankung, ein Zahnwurzelabszess oder ein Tumor sein. Ebenso kann eine Infektion mit Viren und ein schwaches Immunsystem ursächlich sein. Darüber hinaus kann eine Verletzung durch Fremdkörper oder durch ätzende Substanzen eine Gingivitis auslösen. 


Gingivahyperplasie

Handelt es sich nicht nur um eine Entzündung des Zahnfleisches, sondern treten hier regelrecht Schwellungen oder Wucherungen in Erscheinung, spricht man von einer Gingivahyperplasie, entweder aufgrund echter Zellvermehrung der Gingiva (Hyperplasie) oder aufgrund Vergrößerung der einzelnen Zellen (Hypertrophie). Sie kann am gesamten Zahnfleisch oder lokal begrenzt im Bereich einzelner Zähne auftreten.


Feline Stomatitis

Unter einer Stomatitis versteht man eine Entzündung der Mundschleimhaut, das heißt, dass neben dem Zahnfleisch noch weitere Anteile der Maulschleimhaut von der Entzündung betroffen sind. 


Feline chronische Gingivo-Stomatitis 

Wenn andere Partien der Maulhöhle wie Zahnfleisch und Rachen ebenfalls entzündet sind und es zu einer geschwülstigen Veränderung der Schleimhaut kommt, spricht man von der felinen chronischen Gingivo-Stomatitis. Dies ist für die Katze sehr schmerzhaft.


Stomatitis-Faucitis-Pharyngitis

Die schlimmste Stufe der Maul-Rachen-Entzündung nennt man Stomatitis-Faucitis-Pharyngitis. Die entzündete Maulschleimhaut ist feuerrot und extrem schmerzempfindlich. Es handelt sich hierbei um eine Autoimmunerkrankung, die nicht selten mit Cortison behandelt werden muss.


Parodontitis

Unter Paradontitis versteht man eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates, die zu einem Rückgang des Zahnfleisches führt, was zu teilweise freiliegenden Zahnhälsen führt. Der Kieferknochen wird abgebaut und es kommt zu Zahnausfall, weil die Zähne im verbleibenden Kieferknochenrest keinen Halt mehr haben.

Ein zusätzliches Problem stellen die Bakterien dar, die nicht nur die Entzündung des Zahnhalteapparates zu verantworten haben, sondern mit der Atemluft in die Lunge, über die Speiseröhre in Magen und Darm und nicht zuletzt über die Blutgefäße in andere Organe wie Herz und Nieren gelangen können, wo sie gefährliche Erkrankungen auslösen können. 


Faucitis

Eine Faucitis ist eine Entzündung der Mundwinkel oder der Falten im Gaumenzungenbogen. Meistens ist sie sehr schmerzhaft.


Ostitis

Allgemein ist eine Ostitis ist eine entzündliche Erkrankung der Knochensubstanz, in diesem Fall eine Entzündung des Kieferknochens.


FORL - Feline Odontoklastische Resorptive Läsion

FORL ist eine heimtückische Zahnerkrankung der Katze. Es kommt zu einer Aktivierung von körpereigenen Zellen, der sogenannten Odontoklasten. Diese sind eigentlich nur dafür da, die Milchzahnwurzeln bei jungen Tieren abzubauen. Nach dem Zahnwechsel werden sie eigentlich inaktiv. Nicht jedoch bei Katzen, die an FORL leiden! Bei ihnen bleiben die Odontoklasten aktiv und bauen auch die Wurzeln der bleibenden Zähne ab. Im Zahnröntgenbild sehen die Wurzeln angeknabbert und regelrecht zerlöchert aus. Häufig wird erst das Endstadium der Krankheit erkannt, da zunächst meist nur die Wurzeln betroffen sind und Zahnstein kleinere Löcher im Zahn überdeckt.

Die Ursachen von FORL sind bis heute nicht sicher geklärt. FORL ist unheilbar, sodass betroffene Zähne extrahiert werden müssen.